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Schneeflocke

Manchmal fühle ich mich einfach wie eine Schneeflocke auf einer großen, frisch beschneiten Wiese.

Unfähig selber etwas zu tun, und nur in der Gemeinschaft wirklich groß genug, etwas zu bewegen.

Denn geh ich im Winter vor die Tür und mir fällt eine Schneeflocke auf die Hand, lächel ich. Doch kommt der Schneesturm, gebe ich mich den Naturgewalten hin und ziehe mich zurück.

Und dieses Gefühl wird Tag für Tag in meinem Beruf stärker. Als einzelne Schneeflocke inmitten eines winterlichen Schneefalls.

Aber dieser Schneefall nimmt langsam Außmaße an, die gewaltig an ein Schneesturm erinnern. Denn mittlerweile nimmt Affiliate Marketing und Online Marketing im Allgemeinen, Formen an, die mir nur noch mißfallen. Und jeder spielt mit. Kaum kommt einer auf die Idee, wirklich Stellung zu beziehen, ob des  Wissens, dass diese unbequeme Art kaum akzeptiert wird.

Wir täuschen, wir kreieren, wir formen um. Unausgesprochene Wahrheiten werden einfach unter den Tisch gekehrt, nur um alles in allem in einem guten Licht dastehen zu lassen.

Wie weit sind wir denn bereits in unserer steten Gier nach Erfolg, nach Akzeptanz, nach Sensationen? Wie weit gehen wir in unserer Eitelkeit, die Größten, die Besten und Erfolgreichsten zu sein? Und welche Formen nimmt das mitunter an? Und wieso sehen wir darüber so großzügig hinweg? Hier nur einige Beispiele, die dafür Sorgen dass sehr wohl einige denken müssten, in unserer Branche geht es nicht mit rechten Dingen zu.

Technologische Schwächen:
Da gibt es ein Code, der mit einer simplen Buchstabenverwechslung aus einem reinem Trackingcode einen (zum Teil nicht erlaubten) Post-View Code baut. Und das obwohl für viele Programmbetreiber gar kein PV-Tracking vorgesehen wurde? Interessant hier allerdings, dass hierüber kaum etwas zu lesen ist. Ich möchte nicht wissen, wie viele der Programmbetreiber durch diese Art des Cookie-Kannibalismus für Sales Geld bezahlt haben, das nicht hätte sein müssen.

Ist der Kunde noch König?:
Manche Firmen nehmen auch mal einfach das Zepter in die Hand. Der Kunde wünscht etwas? Ihnen egal, sie wissen es schliesslich besser. Und irgendwo in den Annalen des Verträge steht ja noch eine Klausel, die ihnen erlaubt, schalten und walten zu lassen, wie sie es für richtig halten. Und König Kunde kann nur tatenlos zusehen, wie sein Programm dem Bach herunter geht.

Der Umgang mit Partnern:
Manche der Firmen haben auch nicht verstanden, mit den Schneeflocken umzugehen. Einzelne Stimmen? Werden ignoriert. Einzelne Ergebnisse? Zu uninteressant. Und dann passiert eins. Der Schneesturm ist da und JETZT werden Hilferufe laut. Denn unter der Last des Schnees bricht das Dach zusammen. Aber anstatt nach dem Statiker zu rufen, der das Dach repariert und herausfindet warum es zerstört wurde, wird lieber dem Schnee die Schuld in die Schuhe geschoben. Ist auch viel einfacher, als zuzugeben, dass vieles im eigenen Haus schiefgelaufen ist. Interessanterweise allerdings ist festzustellen, dass hauseigene Mitarbeiter, die diese Probleme rechtzeitig erkannt haben, zum Teil auf verlorenen Posten kämpfen, oder mittlerweile diese Posten gar nicht mehr inne haben.

Der Umgang ist mittlerweile auch untereinander sehr hart geworden. Anders kann ich es mir nicht erklären, warum es Betriebe gibt, die Jahre lang erfolgreichen Partnern regelrecht in den Allerwertesten gekrochen sind, nur ihn anschließend wieder bei erstbester Gelegenheit auf die Straße zu setzen. Beispiele hierfür gab es nun zur Genüge die letzte Zeit. Warum allerdings diese Partner dabei sich nicht gewehrt haben, lässt wiederum etliche Spielräume für Spekulationen. Ein Prestige-Problem?

Betriebsspionage?:
Aber nicht nur Firmen benehmen sich zum Teil daneben! Auch Mitarbeiter! Oder wie soll man es verstehen, wenn ein neuer Kollege bereits nach kürzerster (dafür intensivster) Einarbeitungszeit auf ein Mal wieder bei seinem alten Arbeitgeber ist? Manche Leute könnten hierbei gewisse Vorgehensweisen entdecken, die ich lieber nicht äußern möchte.

Verschleiertes Monopol:
Auch bei der Transparenz des Marktes stehen zur Zeit Deffizite auf dem Programm! Warum ist es möglich, dass Firmen zulassen, dass 75% ihres kompletten Online-Umsatzes nur durch einen einzigen Partner generiert werden? Dabei erwecken sie trotzdem den Anschein, dass das ganze Geschäft unbeeinflusst von solchen Faktoren für alle gleich abläuft.

Mitarbeitermotivation = 0:
Doch nicht nur im geschäftlichen Bereich zwischen Partnern sehe ich leider Verbesserungsresistenz. Manche Firmen betreiben eine derartige Mitarbeiterdemotivation, daß die dadurch verursachte Fluktuation sich am besten mit der von Galeerenschiffen der römischen Sklavenhändler zu vergleichen ist. Du glaubst das nicht? Geh mal auf Xing und schau dir die Firmenprofile an! Und nun sieh dir die Zahlen der Zugehörigkeitszeiten an. Sind bei einer Firma, die seit Ewigkeiten auf dem Markt ist die meisten Mitarbeiter (mind. 50-60%) unter zwei Jahren dabei? Dann frag ich mich, was wohl die Firma anstellt um die Leute nur so kurz zu binden.

Gottes-Komplex:
Es gibt Firmen, die als Kunde von so viel Inkompetenz geprägt sind, dass der Dienstleister in Tränen ausbrechen könnte, und um diese Unfähigkeit zu verschleiern er seinem Partner so viele unlösbare Aufgaben auftischt, dass er darunter zusammenbricht.

Wo sind wir eigentlich gelandet? Geht es wirklich um das Geschäft? Ja es geht nur um das Geschäft! Es geht um Bestechung, um Unfähigkeit auf höchster Ebene, es geht um das illegale Ausbooten von Konkurrenten, es geht um Abmahnungen um Gegenabmahnungen. Die Jagd wird immer wilder. Die TKP-Preise schiessen durch die Decke, die Forderungen von Publisher aber auch von den Kunden werden immer unverschämter. Und alles nur wegen der CPO. Man verkauft nicht vorhandenen Traffic, man manipuliert Webseiten oder bucht die Vertipper der Konkurrenz, nur um selber besser dazustehen. Der User wird betrogen, der Kunde wird Betrogen, das Netzwerk wird betrogen und die Agentur wird betrogen.

Und wie wird es in Köln auf der Dmexco sein? Ich denke nicht anders. Wie ein haufen Haifische platzieren sich die Aussteller und kümmern sich fast ausschliesslich um die fette Beute. Kaum ein Aussteller, dessen Mitarbeiter nicht bis zur Überbelastungsgrenze mit Terminen vollgestopft ist. Mittlerweile verabredet man sich zu einem Meeting in Köln, obwohl man zu Hause lediglich drei Straßen voneinander weg wohn. Erfüllt wirklich die Messe dann das Ziel, wofür sie da ist? Kommt man da wirklich zusammen um sich auszutauschen? Oder ist sie nichts anderes wie ein riesiger Meetingraum in dem die großen Deals hinter gläsernen Türen und in kleinen Nischen geschlossen werden, bei der man versucht stets nur für sich selber das Beste rauszuholen?

Und ich als kleine Schneeflocke werde mitmachen. Ich werde das Beste für meine Zwecke rausholen, ich werde dealen, ich werde handeln und ich werde bestimmt das eine oder andere unbekannte Terrain betreten. Warum? Weil ich muss. Weil das das Spiel ist! Weil das mein Job ist und weil ich mich durch mein Job identifiziere. Wie fast jeder von euch. Leider…

Denn viele bereits haben eins vergessen. Hinter all diesem „Schein“ ist auch noch ein „Sein“

Hinter jeder Firma, hinter jedem Namen steckt ein Mensch.

So wem soll man Glauben schenken? Den Pessimisten der Branche, die behaupten, das ganze Spiel bestünde nur aus Lug und Trug? Oder jenen, die noch mit dem Eifer des ersten Tages dabei sind?

Die Jungs und Mädels, die jeden Tag aufs neue Versuchen, einen ehrlichen Handel zu betreiben und sich immer wieder beweisen müssen?

Es läuft verdammt viel Schief, keine Frage! Umso mehr höre ich die Stimmen, die nach Kontrollorganen in jeder Etage schreien. Wir sind nicht Kontrollsüchtig. Wir möchten nur den „trusted“-Status aufrecht erhalten. Und wie ihr seht, ist noch vieles Verbesserungswürdig.

Bei allen.

Überall.

1 Antwort to “Schneeflocke”

  1. Lieber Tibor,

    nach dem Schneesturm wird die Sonne wieder aufgehen. Vermutlich wird die große Masse an Schneeflocken den Sommer nicht überstehen. Die langfristig Denkenden, haben sich schon jetzt in sichere Gefilde zurück gezogen.

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  1. Reisebericht von der dmexco 2009: Die Messe » Affiliate-Marketing-Blog - [...] dem Oktoberfest locker die Maß reichen. Auf jeden Fall merkte man, hier wird noch Wert auf Schein und Sein …

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