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Mit der DSGVO im Stich gelassen

Die DSGVO ist nun da. Das, was vor zwei Jahren beschlossen wurde, ist nun endlich offiziell in Kraft getreten. Die letzten Wochen war meine komplette Timeline mit nur diesem einen Thema gefüllt. Mit Fragen, mit Unwissen, mit Ängsten und jede Menge sarkastischen Kommentaren über die Sinnlosigkeit mancher dieser Verordnungen. 99 Paragraphen, die bis heute nicht komplett verständlich dargelegt wurden, sodass viele lieber ihre Webseiten und Dienste einstellen, als sich mit den Unwegsamkeiten dieser Verordnungen auseinandersetzen zu müssen.

Nun, wir im Affiliate Marketing sind natürlich auch nicht vor dieser Welle an Unwissenheit, Ängsten und Verständnislosigkeit verschont geblieben. Sowohl Publisher, Agenturen als auch Advertiser sind sich zum Teil nicht sicher, was richtig ist, was unbedingt gemacht werden muss und was völlig übertriebene Hysterie und Angstmacherei ist.

Und genau in Zeiten dieser „Hilflosigkeit“ dachte ich, dass es zwei Stellen gibt, die sich durch Hilfe, Professionalität und vor allem Aufklärungsarbeit hätten profilieren können: die Affiliate Netzwerke und die BVDW.

Zu meinem Bedauern haben beide Stellen versagt, beziehungsweise es versäumt, ihrer Beratungsfunktion nachzukommen. Von den öffentlichen Netzwerken bekam gerade mal entweder mit, dass sie sich um die Publisher gekümmert haben (Stichwort Cookie-Ads), sich versucht haben in sichere Gewässer zu manövrieren („…wir werden keine ADV unterschreiben…“) oder sich zu dem Thema gar nicht geäußert haben. Schlussendlich waren den Netzwerken ihre eigene Absicherung und die mehr als karge Aufklärungsarbeit der Publisher wohl am wichtigsten. Natürlich ist es wichtig, Publisher Hilfestellung zu geben… schließlich sind Affiliates das Werkzeug des Affiliate Marketings. Sie liefern Traffic und generieren dadurch indirekt Sales. Doch was ist mit den Agenturen? Was ist mit den Advertisern? Die Glieder in der Kette, ohne die die Publisher gar nicht existieren könnten? Teilnehmer an diesem Spiel, die das Geld überhaupt zur Verfügung stellen und durch dessen Arbeit und Entscheidungen der Geldfluss reguliert wird? Sie wurden nach meinem Gefühl komplett im Stich gelassen. Keine der Netzwerke schrieb sich eine Aufklärungsaufgabe auf die Fahne. Keine kam auf die Idee, genau dort Informationen zu verteilen, wo das Geld herkommt. Auf Anfrage gab es keine Auskünfte. Im Netz sucht man vergeblich Informationen darüber, was das Advertiser nach den neuen Regeln zu beachten und wie er sich verhalten muss. Nirgendwo ein Hinweis, ob überlieferte Daten wie Warenkorb und Bestellnummer in der aktuellen Art noch DSGVO-Konform sind oder ob der Advertiser sich umrüsten muss. Aber genau diese Informationen sind so überlebenswichtig. Und zwar sowohl für die Publisher als auch für die Netzwerke. Denn was passiert, wenn der Advertiser auf Grund von fehlenden Informationen Angst hat weiter zu machen? Dann schließt er entweder Teilbereiche wie Retargeting oder gar gleich das komplette Partnerprogramm. Und dann verdient niemand im Affiliate mehr Geld.

Natürlich ist es einfacher, alle Verantwortung von sich zu weisen. „…wir sehen uns nicht in der Kette der Auftragsverarbeitung…“ Aber das ihr in einem frei zugänglichen Reporting die IP-Adressen der Bestellenden übergibt, zählt nicht zur Datenerfassung?

Sogar die einfachste Frage, die ich vor kurzem einem Netzwerk-Supportmitarbeiter gestellt habe, konnte nicht beantwortet werden. (Was für ein Passus muss ein Advertiser in seinen Datenschutzbestimmungen zum Thema Affiliate auf Grund der DSGVO einfügen – oder muss er es überhaupt tun?)

Es gibt selten eine so hervorragende Möglichkeit für die Netzwerke, die wohl schon oft diskutierte 30%-Regelung der Netzwerkfee zu rechtfertigen. Gerade war (ist) so eine Möglichkeit dar. Und sie lassen dies einfach sausen. Trotz einer Reihe von fest angestellten Anwälten der Rechtsteilungen. Es wäre doch so einfach eine starke Wissensbasis durch eine kooperative Zusammenarbeit zwischen den Netzwerken aufzubauen. Aber nein, hier kocht lieber jeder sein Süppchen selbst und gibt Advertisern als auch Agenturen das Gefühl komplett im Stich gelassen zu werden.

Auch die BVDW darf sich in diese Reihe eingliedern. Denn sie hätte immens von einer offenen Aufklärung und durch umsetzbare Informationen glänzen können. Sie beschwert sich so oft über Mitgliedermangel. Immer weniger würden sich für sie interessieren. Anderseits verhält sich die BVDW aber wie ein Altherren-Dackelverein zur Zeit des kalten Krieges. Es werden keine Informationen mit Nichtmitgliedern geteilt. „Wir machen so viel für die Öffentlichkeit, aber die Öffentlichkeit darf davon nichts erfahren!“

Der Argumentationskarussel dreht sich. Außenstehende beschweren sich, dass sie nicht wissen was die BVDW macht und welche Erfolge sie erzielen kann, aber die BVDW selbst ist nicht bereit diese Informationen auch öffentlich zu teilen. Dafür muss man schon selbst Mitglied sein! Ich habe keine Ahnung wer für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, aber gerade in der Zeit, in der schier eine Massenpanik wegen der DSGVO herrscht, wäre eine offene und hilfsbereite Kommunikation für beide Seiten ertragreich gewesen! Denn meiner Meinung nach ist gerade in so einem schwerwiegenden Fall wie die Datenschutzgrundverordnung ist eine Institution wie die BVDW gefragt. Aber auch sie haben sich lieber eingekapselt. Dass sie durch eine Hilfepolitik aber massenweise dankbare Mitglieder hätten generieren können, kam ihnen nicht in den Sinn.

Wozu haben sie so gute Kontakte in die Wirtschaft und auch in die Politik? Wozu sind so namhafte Rangträger dabei, wenn niemand bereit ist Wissen zu schaffen und auch zu teilen? Wozu brauche ICH eine BVDW?

Ich fühle mich mit der DSGVO alleine gelassen. Alleine gelassen von den zwei größten und stärksten strategischen Partnern die ich im Affiliate Marketing sehe. Von den öffentlichen Affiliate Netzwerken und der BVDW.

Aber vielleicht kommt ja jetzt irgendjemand auf die Idee, dass es Sinn macht nicht nur an sich selbst zu denken, sondern der ganzen Branche Unterstützung zu geben. Informationen zu verteilen. Todo-Listen. Was gemacht werden muss, was nicht sein muss. Und durch diese Hilfe vor allem die Angst in der Branche zu nehmen, dass jetzt die Welt zusammenbrechen wird.

Und mal so als kleine Gedächtnisstütze… die Partner die in schwierigen Zeiten als verlässlich und informativ sich zeigen, werden in den guten Zeit am meisten geschätzt…

 

3 Antworten to “Mit der DSGVO im Stich gelassen”

  1. Jens sagt:

    „Aber vielleicht kommt ja jetzt irgendjemand auf die Idee, dass es Sinn macht nicht nur an sich selbst zu denken, sondern der ganzen Branche Unterstützung zu geben. Informationen zu verteilen. Todo-Listen. Was gemacht werden muss, was nicht sein muss. Und durch diese Hilfe vor allem die Angst in der Branche zu nehmen, dass jetzt die Welt zusammenbrechen wird.“

    Könnte wahrer nicht sein! Da habe ich nichts mehr hinzuzufügen.

  2. Tanja Jung sagt:

    Kann ich nur bestätigen. Ich verwende allerdings nun ein paar Plugins die mir bei der DSGVO sehr geholfen haben. EU-Cookie wäre so ein Tool. Allerdings muss ich auch sagen, dass meine Seiten nicht zu 100% DSGVO-konform ist.

  3. Hallo Tibor, normalerweise bin ich als Netzwerkvertreter bei Blogposts sehr zurückhaltend, aber in diesem Fall muss ich doch ein paar Worte loswerden, da wir bei CJ Affiliate by Conversant die letzten Monate sehr viel Zeit und Ressourcen darauf verwendet haben, um Publishern und Advertisern eine konkrete Lösung anzubieten, die weit über das Thema DSGVO im Affiliatemarketing hinaus geht.

    Unser Consent Widget ist aus unserer Sicht die Antwort auf viele Fragen zum Thema DSGVO. Dieses Tool stellen wir übrigens auch Nichtkunden völlig kostenlos zu Verfügung. Mehr dazu auf unserem Blog oder auch gerne bei mir direkt. „Im Stich“ lassen wir unsere Partner also sicherlich nicht.

    Sehr schade finde ich auch, dass Du als Partner offensichtlich unsere vielfältige Kommunikation auf allen Kanälen zu diesem Thema nicht erhalten hast, das können wir aber gerne nachholen. Ich stehe Dir jederzeit zu einem Gespräch zur Verfügung.

    Auch der IAB Europe, mit dem wir hier die letzten Monate sehr eng zusammengearbeitet haben, hat mit seinem IAB Consent Framework eine Lösung auf den Weg gebracht, die Stand heute sicherlich das Zeug dazu hat, sich als Standardlösung für unsere Industrie zu etablieren (unser oben genanntes Tool arbeitet übrigens bereits auf diesem Framework). Weitere Infos für Interessierte gibt es hier: http://advertisingconsent.eu/.

    Keiner kann derzeit mit Sicherheit sagen, wo die Reise mit DSGVO hingeht. Fakt ist aber, dass es sich spätestens seit letzter Woche um Europäisches Recht handelt und unsere Branche damit umgehen muss. Auf die Netzwerke und Verbände zu schimpfen, wird meiner Ansicht nach der Arbeit, die von einigen hier geleistet wird, nicht gerecht und hilft auch nicht sonderlich weiter.

    Grüsse
    Tobias

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